13 May 2026
Kepler Awards für Wissenschaftsvermittlung an Antonela Tommasel, Anna Hausberger und Markus Schedl verliehen
Es gab rund 40 Einreichungen – und seit gestern neun glückliche Gewinner*innen in drei Kategorien. Als Wissenschaftsvermittler des Jahres wurde Jörg Fischer ausgezeichnet.
Die Johannes Kepler Universität Linz ist kein Elfenbeinturm. Stattdessen tritt die JKU aktiv mit den Menschen in Kontakt und vermittelt, was erforscht wurde. Die Methoden sind dabei kreativ, viele Formate seit Jahren etabliert. Im Zirkus des Wissens wird Forschung künstlerisch in Schauspiel, Tanz und vielen anderen Formen umgesetzt. Im Kepler Salon steht der Diskurs im Vordergrund. Darüber hinaus gibt es zahlreiche Initiativen, die sich an Kinder und Jugendliche, aber auch an die allgemeine Öffentlichkeit richten. JKU Science Holidays, JKU Open Lab, Junge Kepler Uni und JKU medTALK stellen nur eine Auswahl dar. Um den Einsatz der JKU Forscher*innen in diesem Bereich zu würdigen und auch sichtbar zu machen, hat die JKU vergangenes Jahr die Kepler Awards ins Leben gerufen. Nun gehen die Preise für Wissenschaftsvermittlung in die zweite Runde.
„Wissenschaft lebt vom Dialog mit der Gesellschaft", so JKU Rektor Univ.-Prof. Dr. Stefan Koch. „Mit den Kepler Awards für Wissenschaftsvermittlung würdigen wir jene Forscher*innen, die mit viel Kreativität und Engagement komplexe Inhalte verständlich machen und damit auch das Vertrauen in die Forschung stärken. Die diesjährigen Einreichungen zeigen eindrucksvoll, wie vielfältig Wissenschaftsvermittlung quer durch alle Disziplinen an der JKU gelebt wird."
„In einer lebendigen Demokratie geht es nicht nur darum, was wir wissen – sondern wie wir Wissen teilen", hält Bundesministerin für Frauen, Wissenschaft und Forschung Eva-Maria Holzleitner, BSc fest. „Verständlich, offen, und im echten Dialog mit den Menschen. In einer Zeit, in der Unsicherheit wächst, Desinformation täglich unkontrolliert auf unsere Smartphones einprasselt und Vertrauen schwindet, sorgen die Preisträger*innen für echten Dialog und holen Wissenschaft raus aus den Laboren und Hörsälen und tragen sie mitten in unsere Gesellschaft."
„Wissenschaftskommunikation und der offene Dialog zwischen Wissenschaft und Gesellschaft sind heute wichtiger denn je", sagt Landtagsabgeordnete Elisabeth Gneißl. „Sie schaffen Vertrauen, geben Orientierung und bilden die Grundlage für fundierte Entscheidungen. Die Kepler Awards ehren beeindruckende Forscher*innen, die Wissenschaft greifbar und verständlich machen."
Hohes Interesse auch in der zweiten Auflage
Die Kepler Awards für Wissenschaftsvermittlung richten sich an alle JKU Wissenschaftler*innen mit einem bestehenden Dienstverhältnis, die sich im Jahr 2025 in der Wissenschaftskommunikation bzw. -vermittlung engagiert haben und wurden in drei Kategorien (Kinder- und Jugendliche, Allgemeine Öffentlichkeit und Sonderpreise der Jury) an jeweils drei Preisträger*innen vergeben. Sowohl Einzelpersonen als auch Teams (z. B. Institute) konnten einreichen. Alle Preise sind mit je 1.500 Euro dotiert, die den jeweiligen Institutsbudgets zugutekommen.
Das Interesse war auch in diesem Jahr groß: Es gab rund 40 Einreichungen von JKU Wissenschaftler*innen, die sich in vielfältigen Initiativen engagieren. Eine Fachjury (JKU Senatsvorsitzender Andreas Gruber, Vizedekanin Susanna Zierler, OÖN-Chefredakteurin Susanne Dickstein, Virologe Florian Krammer, Alexandra Parragh vom Bundesministerium für Frauen, Wissenschaft und Forschung sowie Cornelia Lehner, künstlerische Leiterin des Kepler Salons) hat die Gewinner*innen in allen Kategorien ausgewählt. Einen Einblick in den Auswahlprozess gab am Abend der Verleihung der stellvertretende Senatsvorsitzende Univ.-Prof. Dr. Bernhard Jakoby.
Die Gewinner*innen
Die Preisträger*innen spiegeln die Vielfalt der Wissenschaftsvermittlung an der JKU wider: Es wurden sowohl Jungforscher*innen als auch etablierte Professor*innen aus unterschiedlichen Fakultäten und Fachbereichen ausgezeichnet.
In der Kategorie „Vermittlungsarbeit für Kinder und Jugendliche" wurde das Team rund um Johannes Pröll (Core Facility NGS und Molekularbiologie) für seine Workshops bei den Science Holidays und bei der jungen Kepler Uni ausgezeichnet. Ebenso erhielt Irene Frischauf (Linz School of Education), die in unzähligen Formaten wie Workshops und Science Slams über die letzten Jahre hinweg vor allem junge Menschen für Wissenschaft begeisterte, einen Award. Die jungen Forscher*innen um Alexander Peherstorfer (Technisch-Naturwissenschaftliche Fakultät) haben durch einen Social-Media-Adventkalender viele Menschen niederschwellig mit Beiträgen zu Naturwissenschaften und Technik erreicht.
In der Kategorie „Vermittlungsarbeit für die allgemeine Öffentlichkeit" wurde das Team des Projekts „Digital Shadows", bestehend aus einer Kooperation zwischen dem Institut für Netzwerke und Sicherheit, dem Zirkus des Wissens und Transitheart Productions, ausgezeichnet, das sich künstlerisch mit digitalen Identitäten auseinandergesetzt hat. Außerdem wurde das Team rund um Antonela Tommasel (Institut für Computational Perception) für ein Projekt geehrt, das die Menschen mit der Macht von Desinformation, Fake News und Deepfakes konfrontierte. Andreas Zierer (Klinisches Forschungsinstitut für Kardiovaskuläre und Metabolische Erkrankungen) und Franz Fellner (Virtuelle Morphologie) erhielten gemeinsam eine Auszeichnung für die hervorragende und praxisnahe Vermittlung von medizinischen Themen durch die Live-Operationen und die Virtuelle Anatomie im JKU medSPACE.
In der Kategorie „Sonderpreise der Jury" gab es drei Preisträger*innen: Andreas Kaindlstorfer und sein Team (Medizinische Fakultät) begeisterten mit „The Dream In Experience", bei der eigens entwickelte Schlafkapseln Körper- und Umgebungsdaten in faszinierende Klang- und Bildwelten übersetzten. Das Team von Joaquín Santuber (Linz Institute for Transformative Change (LIFT_C)) wurde für das Projekt HUMAN OVERS[A]IGHT ausgezeichnet. Dieses thematisiert Verantwortung beim Einsatz von KI in „Hochrisiko-Bereichen" wie dem Gesundheitswesen. Almina Bešić (Institut für Internationales Management) und ihr Team konnten die Jury mit dem Projekt „JobFit" überzeugen. Im Zentrum steht die Forschung zur Arbeitsmarktintegration gering- bis mittelqualifizierter Geflüchteter in Österreich. In einem Workshop beim Ars Electronica Festival wurden die Hürden, die auf Geflüchtete am Arbeitsmarkt warten, thematisiert. Zu dem Gewinn des Awards sagt Bešić: „Der Kepler Award hat für mich eine große Bedeutung, weil unsere Forschung so auch einen Weg in die Gesellschaft findet. Die Auszeichnung hilft uns, unsere Forschung zur Arbeitsmarktintegration Geflüchteter einem breiteren Publikum zugänglich zu machen. Durch die Partnerschaft im Projekt Jobfit teilen wir unsere Forschung aktiv mit der Gesellschaft und erhalten im Gegenzug wertvolle Inputs. Dadurch ist dieses Projekt nicht nur für die Wissensvermittlung, sondern auch für die Wissenserarbeitung relevant."
Wissenschaftsvermittler des Jahres
Eine ganz besondere Auszeichnung erhielt Jörg Fischer, Vorstand des Instituts für Polymeric Materials and Testing. Unter allen Gewinner*innen hat die Fachjury ihn zum Wissenschaftsvermittler des Jahres 2026 gewählt. In den letzten Jahren hat er zahlreiche verschiedene Formate entwickelt und umgesetzt, um sein Wissen zur Kunststofftechnik weiterzugeben. „Mir ist es ein zentrales Anliegen, Forschung so zu vermitteln, dass sie für die Gesellschaft greifbar und verständlich wird", erklärt Fischer. „Wissenschaftliche Erkenntnisse müssen so übersetzt werden, dass ihr Wert sichtbar wird. Besonders in der Kunststofftechnik möchte ich dazu beitragen, verbreitete Missverständnisse abzubauen und zu zeigen, welche wichtige Rolle dieser Werkstoff für eine nachhaltige Zukunft spielt."
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